Vertrauen ist ein wesentlicher Faktor für das Gelingen jeder Beziehung. Das gilt für die Partnerschaft genauso wie für die Zusammenarbeit im Unternehmen, für das Verhältnis zwischen Geschäftsführern, zwischen Gesellschaftern, zwischen Führungskraft und Team.

Die sogenannten Systemgesetze beschreiben Mechanismen von Ursache und Wirkung, die in allen zwischenmenschlichen Beziehungen wirken, unabhängig davon, ob es sich um eine private Partnerschaft, eine unternehmerische Zusammenarbeit oder eine Unternehmerpaar-Konstellation handelt. Insgesamt gibt es 10 Systemgesetze. Wer sie kennt und lebt, baut Vertrauen auf. Wer sie verletzt, erzeugt Distanz, Misstrauen und Konflikte, oft ohne zu verstehen, warum.

Überblick der zehn Systemgesetze

1. Zugehörigkeit: Jeder Beteiligte hat das Recht, gesehen und gehört zu werden. In der Partnerschaft wie im Unternehmen: Ausschluss erzeugt Verletzung.

2. Anerkennung, Wertschätzung, Respekt: Die Grundhaltung in jeder Beziehung. Fehlt sie, gerät der Motor ins Stottern, privat wie beruflich.

3. Gleichgewicht von Geben und Nehmen: Beide Seiten sollen gleichberechtigt beitragen und profitieren. Das Empfinden von Ungerechtigkeit zerstört Vertrauen.

4. Früher vor später hat Vorrang: Vergangene Erfahrungen und Systeme müssen anerkannt werden, bevor neues Vertrauen entstehen kann.

5. Höhere Verantwortung hat Vorrang: Wer mehr Verantwortung trägt, verdient Anerkennung und Entlastung, nicht Konkurrenz.

6. Mehr Kompetenz hat Vorrang vor mehr Wissen: Die Stärken des anderen anerkennen, statt sie kleinzureden.

7. Neues System hat Vorrang vor altem System: Altlasten aus früheren Beziehungen oder Systemen müssen geklärt sein, damit das neue System gesund wachsen kann.

8. Gesamtsystem hat Vorrang vor Einzelpersonen und Untersystemen: Das Wohl der Gemeinschaft, ob Paar oder Unternehmen, geht vor individuelle Interessen.

9. Aussprechen und anerkennen, was ist: Offene, ehrliche Kommunikation als Grundlage für Vertrauen und Verständnis.

10. Ausgleich schaffen: Verletzungen der Systemgesetze aktiv klären. Der Verursacher sieht das Leid und übernimmt seinen Anteil der Verantwortung.

1. Das Recht auf Zugehörigkeit – Kein Ausschluss

Das erste Systemgesetz beschäftigt sich mit dem Recht auf Zugehörigkeit. Jeder Mensch hat das Bedürfnis, sich zugehörig zu fühlen, in der Familie, im Freundeskreis, in der Partnerschaft und im Unternehmen. Zugehörigkeit ist ein starkes menschliches Grundbedürfnis und spielt eine entscheidende Rolle für das Vertrauen in jeder Beziehung.

Verletzung: Ausschluss erzeugt tiefe emotionale Verletzungen. Das zeigt sich, wenn jemand belogen wird, vom Fremdgehen des Partners erfährt oder in einer unternehmerischen Entscheidung übergangen wird, ohne einbezogen worden zu sein. Auch ein Mitgesellschafter, der bei wichtigen Besprechungen systematisch nicht informiert wird, erlebt einen Ausschluss mit denselben systemischen Folgen wie ein Partner in der Ehe, der von wesentlichen Entscheidungen ausgeschlossen wurde.

Einhaltung: Paare und Unternehmerpaare sollten darauf achten, sich gegenseitig in Pläne, Wünsche und Entscheidungen einzubeziehen. Im Unternehmen gilt dasselbe: Wer Verantwortung trägt, muss auch an relevanten Informationen und Entscheidungen beteiligt sein. Verletzungen des Rechts auf Zugehörigkeit sollten zeitnah geklärt werden, bevor sie sich verfestigen.

Persönlicher Tipp: Achte darauf, dem anderen immer das Gefühl zu geben, dass er dazugehört. Das bedeutet nicht, alles zu teilen, aber dem anderen zu vermitteln: Dein Platz ist hier, und er ist selbstverständlich.

2. Vertrauen stärken durch Anerkennung, Wertschätzung und Respekt

Anerkennung, Wertschätzung und Respekt sind Grundwerte, die in jeder Beziehung eine entscheidende Rolle spielen. Sie sollten als Grundhaltung gepflegt werden, nicht als gelegentliche Geste.

Anerkennung ist der Motor, der eine Beziehung in Gang hält. Fehlt sie, stagniert die Beziehung. In einer Partnerschaft sollte Anerkennung nicht an besondere Leistungen geknüpft sein. Im Unternehmen gilt dasselbe: Mitarbeiter, Mitgesellschafter und der Co-Geschäftsführer brauchen Anerkennung nicht nur für Ergebnisse, sondern für ihren Einsatz, ihre Haltung und ihren Beitrag zum System.

Respekt ist eine Form der Anerkennung, die an bestimmte Bedingungen geknüpft ist. Ein Partner oder eine Führungskraft kann Respekt erhalten, wenn sie ihrer Rolle und Verantwortung gerecht werden. Fehlt der Respekt aufgrund von Systemgesetzverletzungen, entstehen Konflikte auf beiden Ebenen.

Verletzung: Wenn Ideen, Gedanken, Werte oder Meinungen des anderen nicht respektiert werden, entstehen Verletzungen. Im Unternehmerpaar geschieht das besonders häufig in Meetings, wenn einer den anderen vor Mitarbeitern korrigiert oder übergeht. Solche Momente wirken lange nach.

Tipp: Wenn Werte und Bedürfnisse auseinandergehen, versuche zuerst, die Perspektive des anderen zu verstehen, bevor du urteilst. Im Unternehmen bedeutet das: Unterschiedliche Einschätzungen sind kein Angriff, sondern oft eine Ressource, wenn sie respektvoll geäußert werden können.

3. Vertrauen durch das Gleichgewicht von Geben und Nehmen

In jeder Beziehung ist das Gleichgewicht von Geben und Nehmen ein wesentlicher Faktor. Es stellt sicher, dass beide Seiten gleichberechtigt beitragen und sich anerkannt fühlen. Das Gefühl von Gleichgewicht lässt sich nicht quantitativ messen. Es ist ein subjektives Empfinden.

Wenn einer der Beteiligten das Gefühl hat, mehr zu geben als er bekommt, entsteht Unzufriedenheit. Anerkennung und Würdigung wirken dabei als starkes Ausgleichsmittel. Ein anerkennendes Wort kann oft das Gleichgewicht wiederherstellen, ohne dass materielle oder äußere Anreize notwendig wären.

Unternehmerpaar: Die Frage des Gleichgewichts stellt sich hier auf mehreren Ebenen gleichzeitig: Wer verdient mehr? Wer arbeitet mehr? Wer trägt mehr Verantwortung? Wer ist mehr präsent? Diese Fragen müssen ausgesprochen und geklärt werden, sonst entstehen Verletzungen, die sich langsam aufstauen. Eine gute Übung ist es, dass beide Partner oder Geschäftsführer eine Liste erstellen, in welchen Bereichen sie das Gefühl haben, mehr zu geben als zu bekommen, und diese Listen dann offen besprechen.

Verletzung: Wenn das Systemgesetz 3 verletzt wird, entsteht das Gefühl: Wer oder was ist wichtiger als ich? Dieses Empfinden zerstört Vertrauen nachhaltig, weil es an die Wurzel der Zugehörigkeit rührt.

Tipp: Ausgleich muss nicht in derselben Form erfolgen. Wichtig ist, dass beide Seiten das Gefühl haben, gesehen zu werden und dass ihr Beitrag zählt.

Systemgesetze 4 bis 6: Anerkennung des Früheren, der höheren Verantwortung und der größeren Kompetenz

4. Anerkennung des Früheren

Vorrang bedeutet immer Anerkennung. Wer früher da war, hat das Recht, zuerst gesehen zu werden. In Beziehungen bedeutet das: Die Geschichte des anderen, seine früheren Partnerschaften, seine Herkunftsfamilie, sein früheres Unternehmen, das alles gehört zu ihm und muss respektiert werden.

Unternehmen und Unternehmerpaar: Wenn ein Unternehmen aus einer früheren Struktur heraus entstanden ist, wenn ein Partner ein bestehendes Unternehmen in die Partnerschaft eingebracht hat, wenn frühere Gesellschafter oder Mitgründer eine Rolle gespielt haben, dann muss das Frühere anerkannt werden. Missachtung dieser Geschichte erzeugt Verletzungen, die auf sachlicher Ebene kaum zu lösen sind.

Tipp: Achte auf die Geschichte deines Partners und deiner Geschäftspartner. Das Frühere hat dazu beigetragen, dass ihr heute hier seid.

5. Anerkennung der höheren Verantwortung und des höheren Einsatzes

In jeder Beziehung übernehmen die Beteiligten unterschiedliche Verantwortlichkeiten. Um Vertrauen aufzubauen, ist es wichtig, die Verantwortung des anderen anzuerkennen und zu respektieren, statt sie zu konkurrieren oder kleinzureden.

Unternehmerpaar: Wer operativ mehr trägt, wer nach außen mehr Verantwortung hat, wer in der Nachfolge eine besondere Rolle spielt, das alles muss offen anerkannt werden. Wenn die höhere Verantwortung des einen systematisch ignoriert wird, entsteht Groll, der sich irgendwann Bahn bricht.

Tipp: Achte darauf, die Verantwortung des anderen zu respektieren. Biete Unterstützung an, aber nimm dem anderen nicht ungefragt die Verantwortung ab.

6. Anerkennung der größeren Kompetenz

Jeder Beteiligte hat unterschiedliche Kompetenzen und Fähigkeiten. Um Vertrauen zu stärken, müssen diese anerkannt und respektiert werden.

Unternehmen: Wenn ein Partner kaufmännisch stärker ist und der andere vertrieblich, dann sollte diese Unterscheidung klar sein und gelebt werden. Wenn stattdessen beide in denselben Bereichen Zuständigkeit beanspruchen, entstehen Reibung und Kompetenzgerangel, das Zeit, Energie und Vertrauen kostet.

Tipp: Zeige Interesse an den Fähigkeiten des anderen und frage nach, bevor du deine eigenen Kompetenzen in den Vordergrund stellst.

7. Neues System hat Vorrang vor altem System

In einer Beziehung ersetzt das neue System das alte. Um ein gesundes Wachstum zu gewährleisten, müssen eventuelle Verletzungen aus alten Systemen geklärt sein, bevor das neue System stark werden kann.

Unternehmerpaar: Wenn zwei Partner ein gemeinsames Unternehmen gründen oder führen, bringt jeder sein früheres System mit: frühere Geschäftspartner, frühere Strukturen, frühere Verletzungen. Wenn Eltern oder frühere Gesellschafter immer wieder in die neue Struktur hineinreden, kann das neue System nicht richtig entstehen. Das erzeugt Misstrauen, auch wenn der Einfluss von außen gut gemeint ist.

Tipp: Prüfe, ob bei dir oder deinem Partner noch ungeklärte Altlasten vorhanden sind. Wenn ja, kläre diese, damit das neue System unbelastet wachsen kann.

8. Gesamtsystem hat Vorrang vor Einzelpersonen und Untersystemen

Die Einhaltung dieses Systemgesetzes ist wichtig für das Überleben und das Wohlergehen jeder Gemeinschaft, ob Paar oder Unternehmen. Das Wohl des Gesamtsystems geht vor die Interessen Einzelner.

Unternehmerpaar: Wenn ein Partner sein persönliches Interesse über das gemeinsame Unternehmensinteresse stellt, oder wenn eines der Untersysteme, etwa eine Abteilung oder ein einzelner Gesellschafter, dauerhaft Vorrang erhält, leidet das Gesamtsystem. Das erzeugt Koalitionsbildung, Misstrauen und Führungsunklarheit.

Tipp: Schau regelmäßig gemeinsam auf das Gesamtsystem. Sind die Strukturen, Absprachen und Rollen noch so, dass das Ganze funktioniert? Stell deinen persönlichen Bereich nicht dauerhaft über das gemeinsam Aufgebaute.

9. und 10. Verletzungen aussprechen und auflösen

Das Auflösen von Verletzungen der Systemgesetze ist entscheidend für die Stabilität jeder Beziehung.

Warum Verletzungen aufgelöst werden müssen

Nicht aufgelöste Verletzungen wirken weiter, unabhängig davon, wie lange sie zurückliegen. Sie erzeugen Misstrauen in der Gegenwart, auch gegenüber neuen Partnern, neuen Mitarbeitern oder neuen Mitgesellschaftern, die mit der ursprünglichen Verletzung gar nichts zu tun haben. Das Unbewusste unterscheidet nicht zwischen dem damaligen und dem heutigen Gegenüber.

Für Unternehmerpaare ist das besonders relevant: Wenn alte Verletzungen zwischen den Partnern nie aufgelöst wurden, steuern sie gegenwärtige Entscheidungen, Kommunikation und Führungsverhalten, ohne dass das Paar das bewusst wahrnimmt.

Wie Verletzungen aufgelöst werden

Damit sich eine Systemgesetzverletzung wirklich löst, muss bei der verletzten Person ankommen, dass der andere das Leid sieht und seinen Anteil der Verantwortung übernimmt. Das ist der Kern des PowerCodes: nicht Rechtfertigen, nicht Erklären, sondern Sehen und Anerkennen.

Das Beherrschen dieses Handwerks braucht Übung. Wenn du alleine nicht weiterkommst, melde dich bei uns.

Im Unternehmer Coaching arbeiten wir mit dir alleine. Schaue dazu: Unternehmer Coaching.

Geht es dich und um die andere Person und ihr wollt es gemeinsam klären, dann schaue auf der Seite: Unternehmerpaar Coaching.

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Fazit

Die 10 Systemgesetze gelten für jede Art von Beziehung: für die Partnerschaft, das Unternehmerpaar, die Zusammenarbeit zwischen Gesellschaftern, zwischen Führungskraft und Team. Wo sie gelebt werden, entsteht Vertrauen. Wo sie verletzt werden, entstehen Distanz, Misstrauen und Konflikte, die auf der sachlichen Ebene kaum zu lösen sind.

Vertrauen ist kein Zufall. Es ist das Ergebnis von Haltungen und Verhaltensweisen, die sich beschreiben, lernen und entwickeln lassen.

Wie sich das als Unternehmerpaar strukturiert entwickeln lässt, beschreiben wir auf der Seite Unternehmerpaar Coaching.

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