Systemgesetz 3 — Ausgleich von Geben und Nehmen

Irgendwann sagt ein Gesellschafter: „Ich tue hier achtzig Prozent der Arbeit und bekomme dafür nicht mal ein anerkennendes Wort.“ Sein Mitgesellschafter hört das und denkt: „Der übertreibt. Ich arbeite mindestens genauso viel.“ Beide haben Recht. Das klingt nach einem Widerspruch. Es ist keiner.

Das dritte Systemgesetz beschreibt ein Gefühl, kein objektiv messbares Verhältnis. Und genau deshalb ist es so konfliktträchtig.

Was dieses Systemgesetz bedeutet

Jeder Mensch hat ein subjektives Gefühl für Gleichgewicht und Gerechtigkeit. Stimmt dieses Gefühl nicht, entsteht ein innerer Druck, der sich im Verhalten zeigt: Dienst nach Vorschrift, innere Kündigung, Sabotagemuster, offene Konflikte.

Das Ausgleichsstreben ist kein Charaktermerkmal. Es ist ein Grundmechanismus. Ein Mitarbeiter, der sich nicht wertgeschätzt fühlt, sucht auf anderem Weg Ausgleich. Vielleicht nimmt er sich Unternehmenszeit oder Ressourcen, die ihm eigentlich nicht zustehen. Nicht aus moralischen Gründen — das System strebt von sich aus nach Gleichgewicht.

Warum Geld allein keinen Ausgleich schafft

Das ist einer der teuersten Irrtümer im Unternehmensalltag. Wenn jemand ein Ungleichgewicht beklagt, wird versucht, es mit Gehaltserhöhungen oder materiellen Boni zu lösen. Das greift fast nie dauerhaft.

Warum? Weil das Gefühl des Ungleichgewichts in den meisten Fällen auf der Systemgesetzebene entstanden ist. Wer sich nicht gesehen, nicht anerkannt oder ausgeschlossen fühlt, dem hilft kein Bonus. Die eingeforderten Ausgleichszahlungen werden immer höher, weil sie nicht das heilen, was verletzt ist.

Ein Beispiel: Gehen zwei Gesellschafter auseinander und der Trennungsprozess ist geprägt von fehlender Anerkennung und Ausschluss, dann werden finanzielle Zugeständnisse niemals ausreichen. Eine Seite will immer mehr. Nicht weil sie habgierig ist. Sondern weil sie eigentlich etwas anderes will: dass die andere Seite endlich ausspricht, was wirklich war.

Anerkennung ist das stärkste Ausgleichsmittel. Ein echter Satz der Würdigung tut mehr als eine Sonderzahlung.

Wie das Ungleichgewicht entsteht

Führungskräfte und Gesellschafter unterschätzen häufig, wie sehr ihr Verhalten täglich darüber entscheidet, ob jemand das Gefühl hat, fair behandelt zu werden. Wer bekommt die guten Kunden? Wer hat mehr Zeit für bestimmte Projekte? Wessen Ideen werden aufgenommen?

Hinter dem dritten Systemgesetz steckt immer eine Frage, die selten ausgesprochen wird: „Wer oder was ist wichtiger als ich?“

Ausgleich nach Systemgesetzverletzungen

Der PowerCode arbeitet auch auf dieser Ebene. Wenn eine Verletzung entstanden ist und die verletzte Partei sie ausgesprochen hat, dann nimmt der Verursacher anteilig die Wut zurück, die er verursacht hat. Nicht materiell. Emotional. Erst wenn dieser Ausgleich stattgefunden hat, werden sachliche Regelungen tragfähig.

Überprüf, wo in deinem System gerade das Gefühl von Ungerechtigkeit entstanden ist. Nicht wer objektiv mehr leistet — sondern wer das Gefühl hat, dass sein Beitrag nicht gesehen wird. Das Gespräch darüber kann unbequem sein. Es kostet weniger als die Folgen, wenn es nicht geführt wird.

Weiterführend: Recht auf Anerkennung | Ausgleich schaffen | Die zehn Systemgesetze im Überblick

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