Neue Hierarchieebene: Warum das Wachstum von 10 auf 50 Mitarbeitern viele Unternehmen in die Krise führt
Du hast ein Unternehmen aufgebaut. Es wächst. Zwanzig Mitarbeiter, dreißig. Du kannst nicht mehr alle direkt führen. Also führst du eine erste Hierarchieebene ein: Teamleiter, Abteilungsleiter. Sachlich die richtige Entscheidung.
Und dann passiert etwas, das viele Unternehmer überrascht. Die Stimmung kippt. Die ersten guten Leute verlassen das Unternehmen. Die Produktivität stagniert, obwohl eigentlich alles besser organisiert sein sollte.
In der Startup-Welt nennt man diese Phase das Tal des Todes. Nicht wegen der Finanzierung. Wegen der Führungsstruktur.
Was auf der Systemgesetzebene passiert
Die Einführung einer neuen Hierarchieebene erzeugt fast zwangsläufig Ausschlussgefühle auf mehreren Seiten gleichzeitig.
Der Geschäftsführer verliert direkten Kontakt. Vorher kannte er jeden Mitarbeiter persönlich. Er wusste, woran jemand gerade arbeitet, wer welche Probleme hat, wen er mit einer Aufgabe überfordert. Jetzt sitzt er nicht mehr mit allen am Tisch. Die Mitarbeiter bekommen weniger direkte Anerkennung von ihm. Und er verliert das Gespür für das, was unten im Unternehmen wirklich passiert.
Die Mitarbeiter verlieren den direkten Kontakt zum Geschäftsführer. Damit verlieren sie einen der wichtigsten Träger von Anerkennung. Der GF hat für sie bedeutet: Ich bin direkt gesehen, meine Arbeit ist direkt sichtbar. Jetzt kommt ein Abteilungsleiter dazwischen. Ob dieser den GF adäquat ersetzt, ist in der Anfangszeit fast nie der Fall.
Ehemalige Kollegen werden zu Vorgesetzten. Das ist die häufig schmerzhafteste Dynamik. Wer gestern noch mit am Mittagstisch saß, ist heute der Abteilungsleiter. Die früheren Kollegen akzeptieren das nicht ohne weiteres. Der neue Abteilungsleiter weiß nicht mehr, wo er dazugehört zu den Mitarbeitern kann er nicht mehr uneingeschränkt, zur Führungsebene ist er noch nicht wirklich angekommen.
Die Systemgesetze sind die Wirkprinzipien in einem System, damit es überleben kann. Ausschluss ist das Schlimmste. Kommt es zu Ausschlussgefühlen, dann macht es Angst, traurig, wütend und die Veränderung wird abgelehnt. Deshalb ist es so wichtig, dass Startups und der Unternehmer die Systemgesetze kennt und alles dafür tut, damit sie nicht verletzt werden.
Warum Startups genau hier scheitern
Die Wachstumsphase, die als Tal des Todes beschrieben wird, trifft Unternehmen bei zwei typischen Sprüngen: von zehn auf fünfzig Mitarbeiter und von fünfzig auf zweihundertfünfzig. Beim ersten Sprung braucht es die erste Führungsebene. Beim zweiten die zweite. Beide Übergänge sind aus Systemgesetz-Sicht identisch strukturiert.
Das Scheitern kommt nicht durch die Struktur an sich. Es kommt dadurch, dass die Ausschlussgefühle nicht benannt, nicht anerkannt und nicht aufgelöst werden. Die guten Mitarbeiter, die sich nicht mehr direkt gesehen fühlen, verlassen das Unternehmen. Und die neuen Abteilungsleiter, die zwischen den Stühlen sitzen, entwickeln weder nach unten noch nach oben wirkliche Führungsstärke.
Was vor der Einführung zu klären ist
Der SystemCheck ist die Voraussetzung dafür, dass die neue Struktur angenommen und gelebt wird.
Was ist das Gute an der bisherigen Struktur? Was verlieren Mitarbeiter, wenn es eine Zwischenebene gibt? Was verliert der Geschäftsführer? Diese Verluste müssen ausgesprochen werden, bevor die neue Ordnung eingeführt wird.
Welche negativen Auswirkungen kann die neue Hierarchieebene haben? Wer fühlt sich möglicherweise ausgeschlossen? Was ist zu tun, damit dieser Ausschluss aktiv verhindert wird?
Die Antworten entscheiden, ob das Wachstum gelingt. Eine neue Struktur, die sachlich richtig ist, aber emotional nicht getragen wird, scheitert an der Systemgesetzebene.
Was mit den neuen Führungskräften passiert
Besonders unterschätzt wird, was mit den Mitarbeitern passiert, die in die Abteilungsleiterrolle gehoben werden. Sie brauchen Anerkennung aus zwei Richtungen: vom Geschäftsführer für ihre neue Verantwortung und von den früheren Kollegen für ihre bisherige Zugehörigkeit.
Beides passiert nicht von allein. Es braucht aktive Gestaltung durch den Geschäftsführer, der die Übergänge moderiert, die Anerkennung ausspricht und sicherstellt, dass die neue Führungskraft weder in der Mitarbeitergruppe verloren geht noch in der Führungsebene allein gelassen wird.
Und die neuen Führungskräfte müssen sich bewusst sein, es es zu Ausschlussgefühlen kommt. Einerseits weil sie lieb gewonnene Arbeiten abgeben müssen und andererseits weil sie nicht mehr zu den Kollegen dazugehört.
Es gibt kein Unternehmen, das auf Dauer mit zehn Mitarbeitern wächst. Irgendwann kommt die Hierarchie. Die Frage ist nicht, ob du sie einführst. Die Frage ist, wie. Unternehmen, die diesen Übergang mit bewusstem Blick auf die Systemgesetzebene gestalten, verlieren in dieser Phase deutlich weniger gute Mitarbeiter.
Weiterführend
Recht auf Zugehörigkeit SG01
Recht auf Anerkennung SG02