Unternehmensnachfolge wird oft als fachliches Projekt verstanden. Zeitplan, Bewertung, Verträge, Steuern, Governance, Rollen, Übergabeprozesse. Das ist wichtig und in vielen Fällen entscheidend für die wirtschaftliche Stabilität. Gleichzeitig erlebe ich in der Praxis, dass Nachfolgen nicht an fehlender Expertise scheitern, sondern an ungelösten Spannungen im Familien und Unternehmenssystem. Anerkennung, Zugehörigkeit, Ausgleich, Loyalitäten und alte Kränkungen lassen sich nicht vertraglich fixieren. Sie wirken trotzdem, manchmal sehr stark.
Dieser Vergleich ordnet beide Zugänge sauber ein. Er hilft bei der Entscheidung, ob Sie vor allem Struktur, Prozess und Absicherung brauchen oder ob zusätzlich Ursachenklärung nötig ist, damit die Struktur auch gelebt werden kann.
Wir unterscheiden zwei Ebenen, die in Nachfolgeprozessen häufig vermischt werden. Erstens die fachliche und organisatorische Ebene der Nachfolgeberatung. Zweitens die emotionale Ebene von Beziehung, Loyalität und innerer Stabilität. Sie lesen, wofür Nachfolgeberatung besonders geeignet ist, wo typische Grenzen liegen und wann SystemEmpowering sinnvoll ergänzt.
Was Unternehmensnachfolge Beratung typischerweise leistet
Unternehmensnachfolge Beratung ist in der Regel auf Planung, Struktur und Risikominimierung ausgerichtet. Dazu gehören je nach Mandat die Entwicklung eines realistischen Zeitplans, die Klärung von Rollen und Verantwortlichkeiten, die Gestaltung von Governance und Entscheidungswegen, die Koordination von rechtlichen und steuerlichen Themen sowie die Begleitung der Übergabeschritte. Häufig arbeitet Nachfolgeberatung eng mit Steuerberatung, Rechtsberatung, Notariat und Finanzierungspartnern zusammen.
Wenn diese Elemente sauber aufgesetzt sind, sinkt das Risiko von Fehlentscheidungen und die Nachfolge wird steuerbar. Das ist ein großer Wert, vor allem wenn mehrere Beteiligte, Gesellschaftsstrukturen oder komplexe Vermögensfragen im Spiel sind.
Wo Nachfolgeberatung oft an Grenzen stößt
Auch sehr gute Beratungsarbeit kann instabil werden, wenn die emotionale Ausgangslage ungeklärt bleibt. Typisch ist, dass formale Rollen geregelt sind, informelle Rollen aber weiterlaufen. Der Senior ist offiziell zurückgetreten, greift jedoch weiter ein. Der Nachfolger hat Verantwortung, erlebt aber keine innere Autorisierung. Geschwister sind nicht operativ beteiligt, fühlen sich ausgeschlossen. Das Team spürt Spannungen und passt Verhalten an, oft ohne es offen anzusprechen.
In solchen Konstellationen werden Verträge, Meetings und Übergabeschritte häufig zur Bühne eines tieferliegenden Konflikts. Das führt zu Reibung, Verzögerung, Rückzug oder Eskalation. Auf der Sachebene wirkt es dann, als wären die Beteiligten unvernünftig. Auf der Systemebene ist es oft eine logische Folge von ungeklärter Anerkennung, Zugehörigkeit oder Ausgleich also Verletzungen der Systemgesetze.
Was SystemEmpowering im Nachfolgekontext klärt
SystemEmpowering betrachtet Nachfolge als Übergang vom alten zum neuen System. Zentral ist die Frage, ob Systemgesetze eingehalten sind oder ob Verletzungen wirken, die dauerhaft Spannung erzeugen. Dazu zählen Zugehörigkeit, Anerkennung und Ausgleich. Wenn hier etwas verletzt ist, entstehen Angst, Ärger oder anhaltende innere Unruhe, auch bei hoher fachlicher Kompetenz.
Ein zentrales Element ist die Unterscheidung zwischen Denkgefühl und Basisgefühl. Denkgefühle entstehen durch Interpretation und lassen sich über Reflexion und Perspektivarbeit beeinflussen. Basisgefühle entstehen schneller als Denken und werden als unmittelbare Reaktion auf Systemgesetzverletzungen verstanden. Solange die zugrunde liegende Verletzung nicht geklärt ist, bleibt das Basisgefühl wirksam und steuert Entscheidungen, Kommunikation und Verhalten.
Für die Ursachenklärung und Auflösung nutzen wir den PowerCode als Methode. Ergänzend arbeiten wir mit dem Kommunikationsmodell von Dr. Bischop, mit Empowering zur Klärung von Prägungen und Überzeugungen sowie mit der Genea Methode zur Klärung transgenerativer Lasten, etwa im Kontext von Kriegserfahrungen, über innere Aufstellungsarbeit. Ziel ist, dass die Beteiligten wieder innerlich frei verhandeln, führen und loslassen können.
Wenn Sie zuerst die Grundlagen von SystemEmpowering einordnen möchten, finden Sie diese im Überblicksbeitrag: SystemEmpowering im Vergleich.
Typische Dynamiken, die in Nachfolgen immer wieder auftreten
Ein häufiges Muster ist das Thema Anerkennung der Lebensleistung. Der Senior möchte gesehen werden und zugleich nicht an Bedeutung verlieren. Der Nachfolger möchte gestalten und zugleich nicht illoyal wirken. Wenn Anerkennung nicht sauber geklärt ist, entsteht schnell ein Machtkampf, der sich als Sachstreit tarnt.
Ein weiteres Muster ist Zugehörigkeit. Wer gehört wirklich dazu, auch emotional. Wer ist im System innerlich ausgeschlossen, obwohl er rechtlich eingebunden ist. Wer ist innerlich eingebunden, obwohl er offiziell keine Rolle hat. Solche Unklarheiten erzeugen Loyalitätskonflikte und Unsicherheit.
Ein drittes Muster ist Gleichgewicht. Wer trägt welche Last, wer bekommt welche Verantwortung, wer profitiert, wer verzichtet. Wenn Ausgleich als ungerecht erlebt wird, entstehen Widerstand und Rückzug, oft genau dann, wenn die Nachfolge Stabilität bräuchte.
Nachfolgeberatung
- Fokus auf Planung, Struktur, Risiko, Umsetzungsschritte
- Erfolg oft gemessen an rechtlicher und wirtschaftlicher Tragfähigkeit
- Regelt formale Macht, Rollen, Governance
- Stark bei klaren Prozessen und sauberer Organisation
SystemEmpowering
- Fokus auf Ursachenklärung emotionaler Konflikte
- Erfolg zusätzlich gemessen an Beziehung, Rollenstabilität, Entlastung
- Klärt informelle Macht durch Loyalität, Angst, Schuld, Anerkennung
- Stark, wenn Übergaben trotz Struktur immer wieder kippen
Wann welcher Ansatz besonders sinnvoll ist
- Nachfolgeberatung ist meist die erste Wahl, wenn es vor allem um Prozessdesign, Absicherung und Entscheidungssicherheit geht. Sie schafft Struktur, reduziert Risiken und macht Übergaben planbar.
- SystemEmpowering wird besonders relevant, wenn der Prozess trotz Struktur nicht stabil wird. Hinweise sind wiederkehrende Eskalationen, starke emotionale Reaktionen in eigentlich sachlichen Gesprächen, ein dauerhaftes Rechtfertigungsmuster, Schwierigkeiten beim Loslassen oder das Gefühl, dass bestimmte Themen immer wieder auftauchen, obwohl sie schon besprochen wurden.
- n vielen Fällen ist nicht entweder oder die beste Lösung, sondern eine klare Arbeitsteilung. Strukturarbeit sorgt für das Geländer, Ursachenklärung sorgt dafür, dass Menschen dieses Geländer auch nutzen können.
Wie eine sinnvolle Kombination in der Praxis aussehen kann
- Auftragsklärung mit allen relevanten Beteiligten. Wer beauftragt was, mit welchem Ziel, in welchem Zeitrahmen, mit welchen Entscheidungswegen und welcher Vertraulichkeit.
- Struktur und Governance sauber aufsetzen. Rollen, Verantwortlichkeiten, Übergabeschritte, rechtliche und steuerliche Themen, Kommunikationswege.
- Parallel die emotionalen Knoten lösen. Systemgesetzverletzungen, Loyalitätskonflikte, Anerkennung, Zugehörigkeit, Ausgleich. Ziel ist, dass Gespräche wieder lösungsfähig werden und Entscheidungen nicht durch alte Dynamiken sabotiert werden.
Wenn Sie selber in einer Unternehmensnachfolge feststecken und merken, es lässt sich sachlich nicht klären, weil zu viele Emotionen und Konflikte im Spiel sind, dann schauen Sie sich unser Angebot an: Konflikte in der Unternehmensnachfolge lösen, bevor sie Familie und Unternehmen gefährden.
Wenn Sie selber Unternehmensnachfolge Berater sind und Ihre Methodenkompetenz ausbauen wollen, um auch tiefliegende Konflikte lösen zu können, dann kommen Sie zu unserer SystemEmpowering Coach Mediator Ausbildung.